Schiffsfonds: Von Commerzbank falsch beraten?

Das Angebot der Kapitalanlagen, welche die Commerzbank ihren Kunden empfiehlt, ist umfangreich. Die Palette reicht vom Medienfonds über Lebensversicherungsfonds und offenen Immobilienfonds bis hin zu Griechenlandanleihen. Doch nicht jeder Commerzbank-Kunde ist zufrieden mit den empfohlenen Anlagen. Weiterlesen...

MPC Reefer Flottenfonds 1

Die Schiffsbeteiligung MPC Reefer Flottenfonds befindet sich einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Was im Herbst 2012 wegen der verschobenen Vorstellung der Sanierungspläne gemunkelt wurde, wurde in einem Schreiben an die Anleger vom 12.12.2012 bestätigt. So soll ein „außerordentlicher Beschluss zur Aufnahmen von Neukapital“ gefasst werden, da nach einem „erneut dramatischen Ratenverfall“ die Schiffsgesellschaften des MPC Reefer Flottenfonds 1 keine auskömmlichen Einnahmen mehr erzielen könnten. Ohne Neukapital sei mit Zahlungsschwierigkeiten zu rechnen.

 

Kapitalerhöhung soll Chance auf "Reduzierung Kapitalverlust" erhalten

 

Zunächst werden die Anleger um die Zustimmung zu einer Kapitalerhöhung gebeten. Sollte die Kapitalerhöhung (Umfang ca. 21 Mio. Euro) scheitern, droht ausweislich dieses Schreibens die Insolvenz des MPC Reefer Flottenfonds 1 und es wird voraussichtlich zu einem Zwangsverkauf der Schiffe kommen. In diesem Fall wurde den Anlegern des MPC Reefer Flottenfonds 1 bereits weiteres Ungemach angekündigt: Die bereits ausgezahlte, leider nicht gewinngedeckten Ausschüttungen würden dann zurückgefordert werden. Doch auch im Fall einer Kapitalerhöhung wird den Anlegern nahegelegt, Ausschüttungen in Höhe von 7,92% zurückzuzahlen, da dieser Betrag wohl in jedem Fall fällig werde. „Entweder durch Einzug durch einen Insolvenzverwalter (die Beteiligung endet in einem Totalverlust) oder durch eine freiwillige Teilnahme an der Kapitalerhöhung (die Chance auf eine Reduzierung des Kapitalverlusts bleibt erhalten).“


Der Schiffsfond MPC Reefer Flottenfonds 1, die vollständige Bezeichnung lautet MPC Fonds Beteiligungsgesellschaft Reefer-Flottenfonds mbH wurde 2006 aufgelegt.Der Schiffsfonds hält 14 Kühlschiffe. Die Fondszeitung berichtet nun, dass MPC Reefer Flottenfonds 1 massiv unter Druck stehe. Die Treuhänderin TVP habe den Anlegern mitgeteilt,  dass die Garantie für sichere Einnahmen abgelaufen sei und dass wegen des schwierigen Marktumfelds die tatsächlichen Einnahmen wohl hinter den Prognosen zurückbleiben werden. Für die Anleger könnte dies bedeuten, dass sie auf Ausschüttungen verzichten müssen und dass sie schlimmstenfalls Geld nachschießen müssen. Dem Schwesterfonds MPC Reefer Flottenfonds 2 könnte ein ähnliches Schicksal drohen.

 

Bereit im Herbst 2012 war die Schiffsbeteiligung zum Gegenstand der Berichterstattung geworden. Gründe für die missliche Lage des Schiffsfonds MPC Reefer Flottenfonds 1 sind laut Fondszeitung vermutlich neben gestiegenen Treibstoffkosten die geringer werdenden Einnahmen. Letzteres wurde durch die ständig steigende Zahl an Schiffen bei gleichzeitig abnehmender Nachfrage nach Schiffstransporten verursacht. Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten die in japanischen Yen aufgenommenen Fremdwährungskredite, die immerhin 35 % der Finanzierung ausmachen. Aufgrund des unerwarteten Höhenflugs des Yens muss der Schiffsfonds MPC Reefer Flottenfonds 1 die Kredite nun wesentlich teurer tilgen als ursprünglich geplant. Auch sei laut Fondszeitung bis dato lediglich ein gutes Drittel der Summe der Yen-Kredite getilgt.

 

Tatenlos zusehen, wie ihr Geld verloren gehen könnte, müssen die Anleger des Schiffsfonds MPC Reefer Flottenfonds 1 dennoch nicht. Die Anlageberatung ließ hinsichtlich der Aufklärung der Anleger über Risiken und Funktionsweisen des Anlageprodukts  meist zu wünschen übrig. Von den Anlageberatern wurde meist nicht ausdrücklich auf die unternehmerischen Risiken, die mit dem Schiffsfonds MPC Reefer Flottenfonds 1 verbunden sind, hingewiesen. Auch hätten die Anleger über die Funktionsweise des Schiffsfonds aufgeklärt werden müssen. Weiterhin sind Banken und Anlageberater verpflichtet, gegenüber Anlegern offenzulegen, ob Provisionen bei der Vermittlung des Schiffsfonds MPC Reefer Flottenfonds 1  flossen. Hohe, im zweistelligen Prozentbereich liegende Provisionen sind im Bereich der Schiffsfonds üblich. Haben die Bank oder der Anlageberater falsch beraten, können Anleger Schadensersatz verlangen, im Idealfall sogar verzinst. Da die Chancen, tatsächlich Schadensersatz zu bekommen recht gut stehen, sollten Anleger des MPC Reefer Flottenfonds 1 nicht zögern, sich von Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht beraten zu lassen und so ihre individuellen Chancen auf Schadensersatz abklären zu lassen.

Aktuelle Themen

  • HCI Shipping Select XIX von Insolvenzanmeldung der MS "JORK Rover" betroffen

    Auch das Jahr 2015 bringt für Schiffsfonds bislang keine Trendwende mit sich – die Insolvenzenwelle überrollt nach wie vor Schiffsbeteiligungen. Auch verschiedene HCI Shipping Select-Fonds wurden in den vergangenen Monaten hiervon nicht verschont. Ende Juni 2015 musste ein Zielfonds des Dachfonds HCI Shipping Select XIX Insolvenz anmelden. Am 26.06.2015 wurde das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der MS „JORK Rover“ Bernd Becker GmbH & Co. KG eröffnet (Aktenzeichen 93 IN 52/15 beim Amtsgericht Neumünster).

     

    Weitere Informationen zum HCI-Fonds Shipping Select XIX finden Sie hier.

     
  • HCI Euroliner II: Insolvenzverfahren der Schiffsgesellschaften eröffnet

    Am 11.11.2014 wurde bei den beiden Insolvenzen bei dem Schiffsfonds HCI Euroliner II ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der beiden Schiffsgesellschaften MS "JORK RELIANCE" Bernd Becker GmbH & Co. KG und MS "JORK RULER" Bernd Becker GmbH & Co. KG wurde eröffnet. Die beiden Gesellschaften hatten bereits im Sommer 2014 Insolvenzanträge eingereicht und befanden sich bis zum 10.11.2014 im vorläufigen Insolvenzverfahren. Die Verfahren werden unter den Aktenzeichen 93 IN 46/14 und 93 IN 47/14 beim Amtsgericht Neumünster geführt.

     

    Weitere Informationen zu der Schiffsbeteiligung befinden sich hier.

     
  • Hanse Twin Feeder: Insolvenzverfahren

    Die Schiffsbeteiligung Hanse Twin Feeder hatte bereits seit längerem mit Problemen zu kämpfen. Nun haben die Schwierigkeiten einen Endpunkt erreicht. Der Schiffsfonds wurde von der Insolvenz ereilte. Die Fondsgesellschaft Hanse Twin Feeder Schiffahrtsgesellschaft musste den Gang zum Insolvenzgericht antreten (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 67b IN 160/14).

     

    Auch die beiden Schiffe MS Hanse Vision und MS Hanse Spirit Insolvenz (Amtsgricht Hamburg, Aktenzeichen 67b IN 168/14 und 67b IN 166/14) sind insolvent. Mehr Informatione zu der Schiffsbeteiligung finden sich hier.

     
  • HCI Exklusiv Multipurpose Quartett - Vier Insolvenzen

    Der HCI-Schiffsfonds Multipurpose Quartett und dessen Anleger werden im Herbst 2014 besonders in Mitleidenschaft gezogen. Alle vier Schiffsgesellschaften der Fondsschiffe Joerg N, Christoph M, Tim B und Rene A sind von Insolvenzen betroffen. Beim Amtsgericht Hamburg werden die Insolvenzverfahren der Erste MLB Bulktransport GmbH & Co. KG (Aktenzeichen: 67a IN 118/14), der Zweite MLB Brultransport GmbH & Co. KG (Aktenzeichen: 67a IN 100/14), der Dritte MLB Bulktransport GmbH & Co. KG (Aktenzeichen: 67 a 120/14) sowie der Vierte MLB Bulktransport GmbH & Co. KG (Aktenzeichen: 67g IN 101/14) geführt.

     

    Weitere Informationen zu diesem Schiffsfonds finden Sie hier.

     
  • MPC Rio Ardeche meldet Insolvenz an

    Der Schiffsfonds MPC Rio Ardeche ist im Herbst 2014 an einem Wendepunkt angelangt: Seit dem 24.10.2014 befindet sich das Vermögen der "Rio Ardeche" Schiffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das Amtsgericht Hamburg (Aktenzeichen: 67a IN 498/14) bestellte den Rechtsanwalt Herrn H. Gittermann zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Schiffsbeteiligung reiht sich in die lange Liste der insolventen Schiffsfonds ein. Weiterhin ordnete das Gericht Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Insolvenzgläubiger an.

     

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